Puuuhhh....
Die ersten Wochen waeren dann wohl mal geschafft. Simone und ich sind jetzt so ziemlich gute 4 Wochen im schnuckeligen Simpang Empat und fuehlen uns, soweit ich das fuer uns beide beurteilen kann, ziemlich heimisch hier. Mal ueberlegen, wie lassen sich die letzten paar Wochen so beschreiben? Eigentlich war ein bisschen zuviel los fuer so wenige Wochen. Verschnaufspausen nahezu Fehlanzeige. Dieses ist fast schon das erste Wochenende, an dem mal fast nix ist, wohin uns unser lieber Direktor hinschleift oder hinschleifen laesst. Mit fast nix meine ich: Freitagabend lediglich eine etwas dubios-kuriose cultural performace mit Dorfgemeinschaftshausatmosphaere in einem nahegelegenen Oertchen, wo scheinbar nicht die Darbietungen auf der Buehne, sondern unsere weisse Wenigkeit das Highlight des Abends war. Zumindest wenn man die Haeufigkeit betrachtet, mit der wir in jeder Rede erwaehnt wurden... Ich bekam ein Luftballonherz vor laufender Kamera geschenkt und Simone wurde zum Tanzen auf die Buehne gezerrt. ;) Naja, nach einem netten Essen im Rahmen einer indischen Hochzeit gestern abend kann man heute mal so richtig nach Herzenlust den ganzen Tag frei verplanen.
Ueberhaupt ist das mit dem Feiern hier so eine Sache. Vor lauter Feiertagen kommt man kaum zum Arbeiten. Eine Feier jagt die andere, darauf folgen Koch- und Abschiedsabende von Freiwilligen, gespickt mit Einladungen nach irgendwohin. Absagen werden sogleich mit enttaeuschten Gesichtern abgemahnt. Aber wer will bei all den netten Gelegenheiten schon oft absagen? Gelegenheiten neue Leute, neues Essen, neue Braeuche kennenzulernen und unsere neuen Saris anzuziehen, gab es im Uebrigen schon so einige. Eine Mitfreiwillige von uns wurde neulich sogar kurzerhand als Brautjungfer bei einer muslimischen Hochzeit missbraucht. Sie musste das Brautkleid der Braut vom Tag zuvor tragen und fand die ganze Chose glaube ich, sehr amuesant.
Falls es mit unserem Wiedererkennungswert beim Renew naechstes Jahr hapern sollte, seid vorgewarnt: Alles was wir hier bei all den Einladungen tun ist: Essen, essen, essen und nochmals essen. Deepavali (groesstes indisches Fest) hat neulich absolut den Vogel abgeschossen. Nachdem ich die Einladungen des netten alten Kuhhirten hinter unserem Haus und eines Taxifahrers leider absagen musste, blieben immerhin noch sage und schreibe 6 (in Worten: sechs!!!!) Haeuser, die wir an dem Tag abgeklappert haben. Gleich morgens wurden wir von faehigen Haenden in die Saris gewickelt, dann ging's los. In jedem Haus wurde Kurzkonversation gehalten, bevor man zum eigentlichen Essentiell des Tages ueberging:
E-S-S-E-N. Die Mahlzeiten wurden meist mit den Worten: "Don't be shy, you're in Malaysia. Just have more!" eingenommen. An dieser Stelle ein kurzer Einschub: Ach Joerg, waere dies nicht das perfekte Land fuer dich?
Spaetestens am Nachmittag waren wir so abgefuellt, dass wir dachten, nach Hause rollen zu muessen. Gott sei Dank lassen die Saris dank vieler Stofflagen ueber bauchfreien Blusen Platz fuer all die Herrlichkeiten. Der Abend endete schliesslich gegen Mitternacht bei gegrillten Satespiessen (natuerlich NACH dem Abendessen versteht sich) und den lautesten Chinaboellern, die ich meinen armen Ohren bisher zugemutet habe. Zum Relaxen habe ich mich dann die folgenden zwei Tage nach Kuala Lumpur verdrueckt, um ein paar Freunde zu treffen. Simone hat es sich auf der Insel Penang bequem gemacht. Unser zweites "Insel Pangkor"-Wochenende konnte auch nur starten, nachdem der Direktor sichergestellt hatte, dass wir bei einer anderen Feierlichkeit dem Aussenminister die Hand geschuettelt haben.
Selbstverstaendlich sind wir nicht immer nur Zaun- bzw. geladene Gaeste, sondern des Oefteren auch gern mal aktive Teilnehmer. Zu DeepaRaya (Mischung aus dem muslimischen Hari Raya und Deepavali) haben wir uns dazu hinreissen lassen, zusammen mit einigen der Lehrerinnen einen indischen Tanz aufzufuehren. (Ganz genau, an dieser Stelle darf herzlich gelacht werden). Nachdem wir unsere Bedenken, neben den kleinen Tamilinnen auszusehen wie grosse, weisse Elefanten im Porzellanladen, ueber Bord geworfen haben, hatten wir eigentlich auch grossen Spass und einen Dauerohrwurm vom taeglichen Proben. Schliesslich hat bei der Feier in Bethany Home jede Klasse und haben alle Lehrerinnen etwas zu den Darbietungen beigetragen. Alles in allem war es eine tolle und runde Sache.
Nicht ganz so rund waren unsere Gesangskuenste, zu denen wir 5 Maedels (alles Deutsche) an Thanksgiving in der Kirche genoetigt wurden. Naja, Augen zu und durch. Unsere Performance: Ein Kirchenlied, halb deutsch halb englisch, begleitet (auch von uns) auf sogenannten Veeh-Harfen. Danach wurden wir natuerlich wieder mit einem koestlichen indischen Essen belohnt.
Ueberhaupt Kirche: Wenn das so weitergeht, werden wir noch richtig kirchenfest auf unsere alten Tage: Jeden morgen um kurz vor 8 erscheinen wir (zum Wachwerden) zur Morgenandacht, in der zwei englische und ein tamilisches Lied mit noch morgendlich-heiseren Stimmen zu Gitarrenbegleitung geleiert werden. Ein paar Bibelpassagen weiter ist das Spektakel nach 20 min. aber auch schon vorbei und die ersten Schueler trudeln zum Morning Walk ein. Wenn man mal fehlt, machen sich gleich alle Sorgen, ob man vielleicht krank ist. Und wenn man Sonntags da ist, geht man aus der gleichen Hoeflichkeit heraus selbstverstaendlich zum Gottesdienst. Aber der Pastor, der hier am Start ist, ist schon wirklich cool. Gerade Freitag noch hat er eine Lesung mit Geschehnissen aus Star Wars verglichen. Seine Ausfuehrungen endeten mit den Worten: "And if there's anyone who doesn't know the movie: I've got a copy at home!" Auch er war es, der uns neulich bei sich zuhause (trotz Alkoholverbots in Bethany) mit Kokosnussbier und Guinessbier versorgt hat.... Mhhhm...
An dieser genuesslichen Stelle werde ich dann fuer heute auch mal abschliessen. Weitere Ausfuehrungen unseres recht abwechslungsreichen und kulinarischen Lebens in malaysischen Gefilden werden folgen.
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